Samstag , 25 November 2017


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Evolution und Innovation – wie Neues entsteht: in Natur und Wirtschaft

Die Natur macht es vor. Sie hat ein bewährtes Muster, um Neues entstehen zu lassen. Einen Kreislauf der Wachstum erzeugt, zumindest aber das Überleben sichert. Können die Prozesse auf Unternehmen und Innovationen übertragen werden?

Ein Teil eines DNA-Moleküls
Ein Teil eines DNA-Moleküls

Irritation

Der Kreislauf beginnt immer mit einer Änderung der Umwelt, einem »Impact« von außen. In der Natur bedeutet dies z.B. es wird wärmer oder eine neue Eiszeit beginnt. Im Unternehmensalltag: neue Technologien setzen sich durch, Wettbewerber treten auf den Plan, Gesetze werden erlassen oder auch soziale Werte ändern sich. Anpassungsdruck entsteht.

Variation

Die Natur reagiert mit Mutationen, im positiven Sinne. Sie schaltet Gene in der DNA an, probiert, variiert, bringt neue Formen des Lebens hervor, erzeugt Überschuss. Nicht alles ist sinnvoll, nicht alles überlebt. Blicken wir auf die New Economy der 2.000er Jahre zurück, erkennen wir viele Parallelen. Viel wurde probiert, wenig hat überlebt, Scheitern war vorprogrammiert. Die Soziologen sprechen auch von einem »Sinn-Überschuss«, der Gesellschaft und Kultur zunächst überfordert. Genau genommen ist es ein »Unsinn-Überschuss«.

Selektion

Die geheimnisvollste Phase des Kreislaufs. Sinnvolle Varianten kristallisieren sich heraus. Es gibt aber keinen Plan, keine »göttliche« Hand, die die Selektion vornimmt. Kleine Vorteile in der Passung summieren sich über die Zeit zu überlegenen Wettbewerbsvorteilen ums Überleben. »Survival of the Fittest« bedeutet daher nicht im sportlichen Sinne der Fitteste überlebt, sondern im Sinne der Darwin’schen Evolutionstheorie der am besten Angepassteste. Das muss augenscheinlich nicht immer die beste Lösung sein. Beispiel VHS Videokassette: Video 2000 oder Betamax waren technisch die weitaus besseren Systeme. Dennoch hat sich VHS durchgesetzt, warum? Es kam eben auf die kleine Vorteile in der Passung an und die waren nicht rein technischer Natur. Die Macher von VHS hatte in der Vermarktung ein besseres Händchen. Sie konnten frühzeitig große Kinofilmverleiher für sich gewinnen. Je mehr Angebote von Filmen auf VHS, desto mehr Nachfrage von Kunden. Die Nachfrage motivierte weitere Verleiher auf VHS zu setzen. Netzwerkeffekte erzeugten eine positive Rückkopplung, bis das System den »Tipping Point« erreichte. Der Punkt der das System in die eine oder andere Richtung kippen lässt und zum Marktdurchbruch führt.

Re-Integration

Das Neue wird in das vorhandene System integriert. Das System verändert sich, hat sich angepasst. Emergenzen entstehen, neue Funktionen, höherer Komplexität, höherer Qualität. Am Beispiel Apple entsteht dadurch nicht nur eine neue Technik, sondern mit iPod, iPhone, iTunes, etc. ein komplett neues Ökosystem. Mit neuen Formen Musik und Medien zu kaufen, zu konsumieren, die auch Gesellschaft und Kultur verändern. Komplexer, aber in der Regel auch wertvoller und reichhaltiger.

Stabilisierung

Um das System nicht zu überreizen, sollte es eine Phase der Stabilisierung geben, um Alt und Neu in Einklang zu bringen und um mit der neuen Komplexität zurecht zu kommen. In der Natur ist dies dem Zufall überlassen. In Wirtschaft und Gesellschaft meist der Aufnahme- und Änderungsfähigkeit der Menschen. Die Innovativen, neudeutsch »Early Adopter«, sind vielleicht schon wieder weiter, der nächsten Innovation hinterher. Die breite Masse braucht jedoch länger. Auch wenn wir den Eindruck haben, dass alles immer schneller geht, so zeigen Statistiken, dass z.B. auch Telefon, Fax oder Internet Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte brauchten, um in den Alltag aller Bevölkerungsschichten einzuziehen. Unternehmen sollten diese Inkubationszeit nie unterschätzen.

Wachstum

Im besten Falle entsteht eine neue Phase von Wohlstand und Wachstum. Zumindest wurde das Überleben gesichert. Bis zum nächsten »Impact«, der den Kreislauf wieder von vorne beginnen lässt.

Was bedeutet dies für Unternehmen?

  • Sie müssen immer am Puls der Zeit, des Marktes und den Bedürfnissen Ihrer Kunden sein. Änderungen schnell erkennen.
  • Sie müssen Raum und Zeit für Ideen und Innovationen schaffen.
  • Es muss eine Kultur des Scheiterns geben. Neues, Kreatives birgt immer die Gefahr des Scheiterns.
  • Ein schlanker, am Kunden und Markt ausgerichteter Prozess der Selektion ist zu schaffen. Die Selektion muss auf durch Kennzahlen und zählbaren Ergebnissen überprüften Hypothesen erfolgen.
  • Es gilt, standardisierte Prozesse für die Integration in das vorhandene Geschäftsmodell zu etablieren.
  • Eine konsequente Phase der Monetarisierung und Produktivität ist erforderlich. Nicht zu schnell neue oder zu viele Ideen in die Organisation einspeisen. Dies bremst die notwendige Phase der Wirtschaftlichkeit und überfordert die Organisation. Chaos wird dann mit Dynamik verwechselt.

Denn: „Erfolg entsteht aus dem Wechselspiel zwischen kreativen und stabilisierenden Phasen.“

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