Montag , 25 September 2017


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Extrovertierte versagen bei komplexen Problemen unserer Zeit

Extrovertiert wie ein Pfau
BS Thurner Hof, Pfau imponierend, CC BY-SA 3.0

 

Kennst du auch Freunde und Kollegen, die Situationen regelmäßig falsch einschätzen? Die scheinbar einfache Lösungen haben? Die oft Ursache und Wirkung verwechseln? Oder permanent neue Ideen ohne Substanz produzieren? Dann hast du es wahrscheinlich mit “Extrovertierten” zu tun.

Nun versteht man unter “extrovertiert” landläufig Menschen, die eher gesellig sind und gerne viel reden. Das ist sicher auch ein Merkmal, für unsere Beobachtungen aber nicht das Problem. Eine Vorstufe des Problems ist, dass Extrovertierte die Welt in einer nach außen gewandten Haltung konstruieren. Wohl und Wehe findet beim Extrovertierten immer in der Außenwelt statt. Selbstreflexion fällt ihm schwer. Das führt uns auf die Spur der eigentlichen Wahrnehmungsfehler extrovertierter Menschen.

Historisch waren Extrovertierte im Vorteil

Der extrovertierte Persönlichkeitstyp, nach der Typologielehre von C.G. Jung, tendiert in Kombination dazu, diese Beobachtungen der Außenwelt jeweils einzeln im Gedächtnis abzuspeichern, ohne sie zu einem Gesamtkonzept zu verknüpfen. Er orientiert sich sehr stark an “Ähnlichkeiten”. Trifft er auf eine Situation oder auf ein Problem, dass er so “ähnlich” schon mal erlebt hat, reagiert er mit dem abgespeicherten Handlungsmuster. Das macht den Extrovertierten sehr reaktionsschnell. Und das ist ja auch unser Eindruck, wenn wir auf diesen Menschentyp treffen. Er hat schnell Antworten auf Alles und viele Ideen.

Die schnelle Reaktionsfähigkeit auf Ähnliches war historisch gesehen ein sehr erfolgreiches Denkmodell. Während ein Introvertierter noch versucht die Situation in seinem Gehirn in ein Gesamtkonzept einzupassen, präsentiert der Extrovertierte schon die vermeintlich richtige Lösung. Es wundert daher nicht, dass viele Führungskräfte und Chefs extrovertiert sind. Sie präsentieren schnell Antworten. Das ist gefragt und war lange Zeit erfolgreich.

Das geht aber nur solange gut, solange die Lebensumgebung relativ stabil ist. Wenn “ähnlich” auch wirklich “gleich” ist. Wirtschaftlich war das grob bis in die 1990er Jahre so. Bei stetem Wirtschaftswachstum, mit trägen Massenmärkten, Massenproduktion und Massenkonsum, konnten einmal gelernte Problemlösungsstrategien immer wieder erfolgreich angewandt werden.

Denkmodell der Extrovertierten versagt heute zunehmend

Heute, in Zeiten von Spezialisierung, Individualisierung, Digitalisierung und steigender Dynamik, ist das nicht mehr so. Heute ist oft “ähnlich” eben nicht “gleich”. Und wenn man dann das dahinterliegende System, die Muster und Grundprinzipien nicht verstanden hat, liegt man voll daneben. Das Denkmodell der Extrovertierten versagt. Sie reagieren auf komplexe Probleme mit den falschen Antworten. Und da ja für sie immer die Außenwelt “schuld” ist, also der Kollege, der Kunde, der Markt, etc., und ihnen Selbstreflektion nicht liegt, merken sie es nicht einmal. Tragisch.

Oft ist leider nicht zu helfen

Was kann man tun? Leider nicht viel. Da Extrovertierte auch noch ziemlich beratungsresistent sind, würden sie Ratschläge, wenn überhaupt, nur von für sie absolut anerkannten Experten annehmen. Doch darauf haben sie meist keinen Zugriff oder sie sind einfach zu teuer.

Hast du als Führungskraft Extrovertierte in deinem Team, kannst du sie auffordern, für eine neue Idee zumindest ein grobes Konzept zu entwickeln. Was ist das Ziel und der Nutzen der Idee? Wie könnte die Umsetzung grob funktionieren? Oder bei Problemen, z.B. mit den “4 Phasen zur Problemlösung”, sie anhalten, diese systematisch zu durchdenken. Frag sie: “Ist das Problem, das System in der Tiefe verstanden?”. Es ist nicht so, dass Extrovertierte das nicht könnten. Es ist für sie nur anstrengend, und daher versuchen sie es zu vermeiden.

Welcher Persönlichkeitstyp bist du? Finde es heraus: Persönlichkeitstest.

DenkKonzept: Extrovertierte konstruieren ihre Welt im “Außen” nach Ähnlichkeiten. Das macht sie schnell bei stabilen Umgebungen. Bei neuartigen und komplexen Aufgaben versagt das Denkmodell. Schaffe einen Handlungsrahmen, der den Extrovertierten motiviert, die Ideen und vermeintlich schnelle Lösungen zumindest grob konzeptionell zu durchdenken.

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