Samstag , 25 November 2017


Strategie und Führung in einer neuen (digitalen) Zeit.

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Verfügbarkeitsheuristik: Denkfalle für strategische Entscheidungen.

Megaphone
Adamantios, Megaphone-red, CC BY-SA 3.0

Wir müssen jetzt ins Internet. Warum? Das steht hier nicht. Sie kennen vielleicht noch den Werbespot von IBM aus den 90ern. Heute können sie “Digitale Transformation”, “Industrie 4.0”, “Big Data” oder “Change Management” einsetzen. Egal, jeden Tag wir ein neuer Hype durchs Land getrieben. Dem Treiben könnten wir ruhig zuschauen, bis Substanz und Relevanz aus den Themen erwachsen. Tun wir aber nicht. Warum?

Wir bewerten Informationen die uns leicht zugänglich sind systematisch als zu wichtig. In der Verhaltensökonomie auch Verfügbarkeitsheuristik oder “Availability Bias” genannt. Heuristik an sich bedeutet die Reduktion einer Entscheidung auf ein verfügbares Kriterium, wenn uns das Durchdenken aller wirklich wichtigen Kriterien zu aufwendig oder nicht möglich ist. Oder wenn uns der Zugang zu präzisen und vollständigen Informationen fehlt. In unseren Fall ist die Denk-Abkürzung: wie leicht ist die Information zu einem Sachverhalt in meinem Gedächtnis verfügbar. Wir ahnen schon, ob diese richtig oder relevant sind, steht auf einen ganz anderen Blatt.

Die Leichtigkeit der Verfügbarkeit von Informationen im Gedächtnis und damit systematische Denkfehler werden verstärkt:

  • Wenn der Faktor Zeit im Spiel ist. Dinge, die wir erst vor kurzem gehört oder gelesen haben, sind uns im Gedächtnis noch präsenter als ältere Informationen, die wir erst anstrengend wieder erinnern müssen. Sie erscheinen uns als wichtig.
  • Wenn wir einzelne Beispiele zum Thema leicht erinnern können. Oder wenn uns viele Beispiele dazu einfallen.
  • Wenn die Information ständig wiederholt wird, z.B. in den Medien. Nur weil etwas ständig wiederholt wird (am besten noch aus unterschiedlichen Quellen) muss es noch lange nicht wahr sein.
  • Wenn uns das Thema emotional anspricht (positiv als auch negativ). Besonders aus eigenen persönlichen Erfahrungen.
  • Wenn die Nachricht ungewöhnlich ist, z.B. ein Flugzeugabsturz (die wesentlich höhere statistische Gefährlichkeit von Autofahren im Vergleich zum Fliegen wurde hinlänglich bewiesen).

Erschwerend für das Treffen richtiger Entscheidungen kommt hinzu, dass alleine schon die Leichtigkeit der Informationsverarbeitung im Gehirn emotional positiv als Erfolg bewertet wird. Wir fühlen uns gut, wenn wir etwas erinnern. Doch die leicht verfügbaren Informationen beweisen erst mal gar nichts.

“Wir machen uns ein Bild der Welt anhand der Einfachheit, mit der uns Beispiele einfallen. Was natürlich idiotisch ist, denn draußen in der Wirklichkeit kommt etwas nicht häufiger vor, nur weil wir es uns besser vorstellen können.”, so Rolf Dobelli, Autor des Buches “Die Kunst des klaren Denkens”. Und weiter: “Menschen verwenden immer wieder Daten und Rezepte, die einfach zu beschaffen sind. Die aber nicht immer der Situation angemessen sind.”

Intuitiv liegen wir meist – falsch.

Für die Vorbereitung strategischer Entscheidungen bedeutet dies, Informationen intensiv zu hinterfragen. Was versteht man eigentlich z.B. unter “Big Data”. Was ist damit gemeint? Was liegt dem Ganzen zu Grunde? Was ist Voraussetzung? Wer ist die Quelle der Information? Ist es relevant? Ist es für uns relevant? Gibt es schon sinnvolle Lösungen? Was ist der Nutzen? Und schauen sie auch darauf, was nicht gesagt wird, welche Informationen nicht gegeben werden.

Wir müssen bei wichtigen Entscheidungen immer nach der Relevanz, der Wahrscheinlichkeit des Auftretens oder dem Nutzen forschen. Wir haben keinen intuitiven Zugang zu komplexen Sachverhalten. Nur so können wir unsere Denkwerkzeuge schärfen. Denk-Abkürzungen, unzulässige Vereinfachungen, Trivialisierung von Sachverhalten führen immer zu Fehlentscheidungen.

DenkKonzept – Verfügbarkeitsheuristik: Bewerte Informationen nicht nach der Leichtigkeit ihrer Verfügbarkeit. Hinterfrage wichtige Informationen genau: nach tatsächlicher Relevanz, im Vergleich zur Grundgesamtheit und nach statistisch belegbaren Fakten.

 

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