Montag , 25 September 2017


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Verlierer schreiben keine Bücher. Die Wahrscheinlichkeit von Erfolg wird systematisch überschätzt.

Bereits der Zweite ist ein Verlierer
Photo by Tim Gouw on Unsplash

 

Amazon listet unzählige Bücher über Erfolg. Es gibt zahllose Biographien erfolgreicher Unternehmer. Die einschlägigen Medien berichten von Startups die “durch die Decke gehen”. Eine Unternehmensbewertung von mindestens 1 Milliarde Dollar muss es schon sein. Im Fachjargon “Einhörner” genannt. Man könnte den Eindruck gewinnen, Erfolg ist einfach planbar. Und man stellt sich die Frage: Was mache ich falsch? Doch Vorsicht, vielleicht unterliegen wir nur einer Täuschung.

Survivorship Bias: Nur die Erfolgreichen stehen im Rampenlicht

Unsere Wahrnehmung wird dadurch verzerrt, dass die Medien Erfolgsgeschichten und Gewinner lieben. So kommt es, dass wir in der Wirtschaftspresse und bei Bestsellern nur von Erfolgen lesen. Denn: Verlierer schreiben keine Bücher. Gescheiterte und Insolvenzen werden, wenn überhaupt, nur kurz als Randnotiz erwähnt. Doch es gibt sie, die aber tausende Unternehmer, Künstler, Musiker, Schriftsteller, die es nicht geschafft haben. In der Statistik nennt man diesen Denkfehler “Survivorship Bias” – ein systematischer Fehlschluss zugunsten der Erfolgreichen durch Auswahl falscher Stichproben.

Statistiken bringen Ernüchterung

Schaut man etwas genauer hin, haben sich die Statistiken seit Jahrzehnten nicht verändert. Immer noch scheitern rund 80 Prozent aller Unternehmensgründungen in den ersten 3 Jahren. Daran hat sich auch in Zeiten des Internets nichts verbessert. Auch wenn die Einstiegsbarrieren scheinbar sehr niedrig geworden sind, ein Garant für Erfolg ist dies noch lange nicht. Investoren geben regelmäßig zu Protokoll, dass sich 9 von 10 Unternehmensinvestments nicht rentieren. Das verbleibende Unternehmen muss den komplette Einsatz wieder einspielen. Der Rest wird mehr oder weniger abgeschrieben.

Systematische Überschätzung der Erfolgswahrscheinlichkeit

Schon im Top-Klassiker der Managementliteratur “Auf der Suche nach Spitzenleistung” von Thomas J. Peters und Robert H. Waterman aus dem Jahre 1982 wurde die Planbarkeit von Erfolg systematisch überschätzt. Was in späteren Jahren von den Autoren auch eingeräumt wurde. Damals hatten Peters und Waterman folgende Faktoren für Erfolg herausgearbeitet:

  • Handeln hat Vorrang
  • Dicht beim Kunden bleiben
  • Autonomie und Entrepreneurship
  • Produktivität durch Mitarbeiter
  • Praxis- und Wertorientierung
  • Bei seinen Leisten bleiben
  • Einfache Form, schlanke Verwaltung
  • Straff-lockere Führung

Können dies wirklich allgemein gültige Erfolgsprinzipien sein? Was ist an der Studie falsch? Nun, es wurden auch hier nur erfolgreiche Firmen mit erfolgreichen Firmen verglichen. Ein Vergleich mit der Grundgesamtheit aller Firmen bzw. einer ausreichend großen, neutralen Stichprobe wurde nicht gezogen. Es gibt eben tausende von Unternehmen, die nach den gleichen vermeintlichen Erfolgsprinzipien vorgegangen und gescheitert sind. Selbst bei den 1982 noch erfolgreichen Firmen hatten laut Business Week bereits 1984 mindestens 14 der 43 untersuchten Firmen an Glanz verloren.

Erfolg ist oft einfach nur Zufall

Erfolgsbücher konstruieren meist im Nachhinein die tollsten Prinzipien für Erfolg. Doch oft war es einfach nur purer Zufall. Im besten Fall: zur rechten Zeit am rechten Ort. Denn das richtige Timing, zum Beispiel, ist auch wichtig. Wir sollten daher immer im Hinterkopf behalten, dass Erfolge im Alltag größere Sichtbarkeit erzeugen als Misserfolge. Bedenke, dass die Aussicht auf Erfolg dadurch systematisch überschätzt wird. Wir erhalten eine falsche Wahrnehmung von Chancen und Risiken. Erliege nicht der Illusion von absoluter Planbarkeit. Es bleibt immer ein Risiko. Die Erfolgswahrscheinlichkeit ist verschwindend gering. Immer auch nach den Verlierern fragen. Unternehmensgründer sollten daher erst mit einem intensiv durchdachten Geschäftskonzept an den Start gehen.

DenkKonzept – Erfolgswahrscheinlichkeit: Erfolge werden von Autoren im Nachhinein konstruiert. Es gibt keine allgemein gültigen Erfolgsfaktoren. Erfolg ist immer individuell. Erfolg ist nicht exakt planbar. Die Erfolgswahrscheinlichkeit wir systematisch überschätzt. Manchmal ist Erfolg einfach nur Zufall.

 

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