Montag , 25 September 2017


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Wir brauchen wieder mehr „meisterliche“ Arbeit

Konzept einer meisterlichen Arbeit
Bild: Unsplash.com – Bauplan by Sergey Zolkin CC BY-SA Zero

 

Sehnen Sie sich nicht auch nach wirklich guten Produkten und Dienstleistungen? Meisterlich eben. Sind Sie es leid, Geld für Waren auszugeben, denen man den frühzeitigen Zerfall schon beim Kauf ansieht?

Wie vieles im Leben ist das kein Zufall. Die Gründe liegen tief. Tiefer als wir vielleicht glauben möchten. Glauben ist dann auch das richtige Stichwort. Oder besser: traditionelle Werte und Glaubenssätze. Sie reichen weit in unsere kulturelle Vergangenheit zurück und prägen uns noch immer.

In seinem Vortrag „Mitarbeiterführung auf dem Prüfstand – Führungshandeln statt Führungstechniken“ nimmt uns Professor Nieschmidt mit auf die Reise durch die abendländische Arbeitsethik.

In der alten katholischen Tradition stand der religiöse Hintergrund im Zentrum des Lebens. Arbeit war mehr eine soziale Interaktion, ein soziales Miteinander als Ausgleich zum beten. Die Kardinaltugenden Weisheit, Tapferkeit, Maßhalten, Gerechtigkeit sowie Glaube, Liebe, Hoffnung, von Platon übernommen, wurden noch hochgehalten. Alle haben aber nichts mit Arbeit zu tun.

Erst mit Luther und der protestantischen Arbeitsethik rückt die Arbeit ins Zentrum der menschlichen Existenz. Neben dem Geistlichen ist jetzt auch der Handwerksmeister berufen, wenn er meisterliche Arbeit vollbringt. Beruf kommt denn auch von Berufung. Mit Qualität und Pflichterfüllung (sehr deutsch) wird auch die Werkstatt ein Ort der Gottesgefälligkeit. Die soziale Interaktion verliert sich schon etwas.

Masse statt Klasse

Und mit Calvin und seinem skeptisch, pessimistischen Menschenbild der „natura corrupta“ geht sie ganz verloren. Um das verderbte oder faule im Menschen zu unterdrücken, muss er beschäftigt werden. Erarbeiteter Wohlstand, Fleiß und Sparen, über das eigentlich Notwendige hinaus, wird in der Folge zum Sinn des Lebens ausgerufen. Fleiß heißt auf lateinisch „Industria“, damit ist die Industrie geboren. Masse statt Klasse ist jetzt das Credo – bis heute. Das Soziale bleibt auf der Strecke.

Diese nur auf mehr, mehr, mehr gerichtete Tradition verhindert tiefes Wissen und meisterliche Fertigkeiten. Echtes Können eben. Malcolm Gladwell spricht in seinem Buch „Überflieger. Warum manche Menschen erfolgreich sind und andere nicht“ von der 10.000-Stunden-Regel. Er belegt, dass viele erfolgreiche Menschen sich mit einer Sache mindestens 10.000 Stunden beschäftigt haben, bevor sie über das Können verfügten, um zur Weltspitze zu gehören.

Jetzt schauen sie sich mal um: unter ihren Berufskollegen, Dienstleistern oder Handwerkern. Welcher ist ein echter Könner in seinem Bereich? Und ist auch im Alltag mit den Aufgaben betraut – ob Fach- oder Führungskraft – die er meisterlich beherrscht? Merken sie was? Wir sind von Amateuren umgeben und nicht von Profis. Kein Wunder, dass die Ergebnisse eher schlecht als recht sind.

Was ist zu tun?

Wir müssen wieder mehr Wert auf echtes Können legen und nicht nur auf oberflächliches Wissen. Das braucht Übung und Zeit. Ohne geht es leider nicht. Unternehmen sind gut beraten, diese Zeit zu investieren. Mitarbeiter langfristig auszubilden und sie dann auch entsprechend ihrem Können einzusetzen, dass ist das Gebot der Stunde. Es muss doch jedem Menschen mit etwas Realitätssinn klar sein, dass Mitarbeiter bei Aufgaben, für die sie nicht ausgebildet wurden, erstmal nur amateurhafte Ergebnisse erzielen, oder?

Kehren wir als Führungskräfte zurück zum hegelschen Arbeitsbegriff: Führen ist das Schaffen eines sozialen Interaktionsfeldes, sprich des Betriebsklimas, einer Gruppenatmosphäre, eines Teamgeistes in dem meine Mitarbeiter Ideen haben und realisieren. Führen ist das Gestalten sozialer Interaktionsprozesse.

Und übrigens: Können kann nicht von heute auf morgen kopiert werden – Wissen schon. Ein nicht zu unterschätzender Wettbewerbsvorteil.

DenkKonzept: Kompetenz ist Wissen (kann man lernen) und Können (muss man üben). Gesellt sich noch etwas Talent und Wollen dazu, entsteht vielleicht meisterliche Arbeit.

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